GAEB-Schnittstelle: elektronischer Datenaustausch im Bauwesen zwischen Auftraggeber und Bieter

GAEB-Schnittstelle verstehen

GAEB-Schnittstelle: Datenaustausch im Bauwesen erklärt

Wer im deutschen Bauwesen ausschreibt oder Angebote bearbeitet, kommt an der GAEB-Schnittstelle nicht vorbei. Sobald Dateien mit Endungen wie ‚.x83‘, ‚.d84‘ oder ‚.x86‘ auf dem Tisch landen, ist die Verwirrung oft groß. Dieser Beitrag erklärt verständlich, was die GAEB-Schnittstelle leistet, welche Formate und Phasen es gibt und wie der Datenaustausch über die Schnittstelle zwischen Auftraggeber und Bieter abläuft – damit Leistungsverzeichnisse und Angebote verlustfrei zwischen allen Beteiligten fließen.

Was ist GAEB?

GAEB steht für Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen. Der Ausschuss entwickelt unter dem Dach der öffentlichen Bauverwaltung die Standards für den elektronischen Datenaustausch von Leistungsverzeichnissen und Bauabrechnungen – die sogenannten GAEB-Datenaustausch-Standards (GAEB DA). Sie sind als nationaler Standard anerkannt.

Das Ziel: Alle Projektbeteiligten – ausschreibende Büros, Bieter, Auftraggeber – tauschen LV- und Angebotsdaten elektronisch und verlustfrei aus, statt Leistungsverzeichnisse mühsam abzutippen. Das spart Zeit, reduziert Fehler und macht Angebote vergleichbar.

Warum die GAEB-Schnittstelle so wichtig ist

Ohne einheitliches Format müsste jeder Bieter ein LV neu erfassen – fehleranfällig und zeitraubend. Die GAEB-Schnittstelle sorgt für einen medienbruchfreien Workflow: Das ausschreibende Büro exportiert das LV, der Bieter importiert es, bepreist es und sendet es zurück. Beim Auftraggeber landen die Angebote wieder strukturiert in der AVA-Software – die Basis für einen sauberen Preisspiegel und die elektronische Vergabe (e-Vergabe).

Gerade bei öffentlichen Ausschreibungen ist dieser durchgängige Datenfluss heute Pflicht: Vergabeplattformen erwarten LV- und Angebotsdaten im GAEB-Format, und nur eine saubere GAEB-Schnittstelle stellt sicher, dass Mengen, Ordnungszahlen und Texte zwischen den Systemen unverändert ankommen. Je aktueller das Format, desto reibungsloser der Austausch – weshalb sich GAEB DA XML als heutiger Standard durchgesetzt hat.

Die drei GAEB-Versionen

Über die Jahre hat sich der Standard weiterentwickelt. Drei Generationen sind im Umlauf (Stand: Juni 2026):

  • GAEB 90 – das älteste Format, ASCII-basiert mit fester Satzlänge. Dateiendung beginnt mit ‚D‘ (z. B. ‚.d83‘). Keine Umlaut-Unterstützung, anfällig für Encoding-Probleme.
  • GAEB 2000 – Nachfolger mit Dateiendung ‚P‘ (z. B. ‚.p83‘). Heute selten.
  • GAEB DA XML – der aktuelle Standard auf XML-Basis, Dateiendung ‚X‘ (z. B. ‚.x83‘). Die Version GAEB DA XML 3.3 ist seit 2019 freigegeben und gilt als maßgeblicher Standard.

Der erste Buchstabe der Dateiendung verrät also die Version (D / P / X), die Zahl die Austauschphase. Eine ‚.d83‘-Datei vom Auftraggeber ist inhaltlich identisch zu einer ‚.x83‘, technisch aber deutlich altbackener.

Die Datenaustauschphasen im Überblick

Die zweistellige Phasennummer beschreibt den Schritt im Projektablauf:

PhaseBedeutungTypischer Absender
81Leistungsverzeichnis (ohne Preise, zur Weiterbearbeitung)ausschreibendes Büro
82KostenanschlagPlaner
83Angebotsaufforderung (Ausschreibung)Auftraggeber → Bieter
84Angebotsabgabe (mit Preisen)Bieter → Auftraggeber
85NebenangebotBieter
86Zuschlag / AuftragserteilungAuftraggeber
89Rechnung / AbrechnungAuftragnehmer

Wichtig: Eine Datei der Phase 81/83 enthält keine Einheitspreise – sie ist die Ausschreibungsgrundlage. Wer hier versehentlich Preise mitliefert, hat das falsche Format gewählt oder die Datei aus der Kalkulation exportiert.

Der typische Ablauf

  1. Das Büro erstellt das LV und exportiert es als GAEB-Datei (Phase 83) an die Bieter.
  2. Jeder Bieter importiert die Datei, hinterlegt seine Einheitspreise und sendet das Angebot als GAEB-Datei der Phase 84 zurück.
  3. Die AVA-Software liest die Angebote ein und stellt sie im Preisspiegel gegenüber.
  4. Nach der Wertung erhält der Auftragnehmer den Zuschlag (Phase 86).

Da die LV-Struktur – Ordnungszahlen, Mengen, Texte – in allen Phasen eins zu eins erhalten bleibt, sind die zurückgespielten Angebote direkt vergleichbar.

Worauf Sie bei der GAEB-Schnittstelle achten sollten

  • Zertifizierung: Eine zertifizierte GAEB-Schnittstelle garantiert, dass exportierte Dateien den offiziellen Regelungen entsprechen und von allen Partnern korrekt gelesen werden.
  • Formatbreite: Die Software sollte alle gängigen Formate (GAEB 90, 2000, DA XML) lesen und schreiben können – Sie wissen nie, womit ein Bieter arbeitet.
  • Fehlerprüfung: Gute Tools erkennen Format und Phase automatisch, korrigieren Encoding-Probleme und weisen auf Unstimmigkeiten hin, bevor es zu Rückläufern kommt.

GAEB in der Praxis mit ORCA AVA

ORCA AVA bringt eine zertifizierte GAEB-Schnittstelle mit und beherrscht alle gängigen GAEB-Formate. Leistungsverzeichnisse werden normkonform exportiert, Angebote per Import schnell erfasst und im Bietervergleich automatisch gegenübergestellt – Fehlerpositionen und Ausreißer werden dabei markiert. So bleibt der gesamte Datenfluss von der Ausschreibung bis zur Abrechnung sauber und nachvollziehbar.

Sie möchten den GAEB-Workflow selbst ausprobieren? ORCA AVA gibt es als 6-wöchige kostenfreie Testversion mit vollem Funktionsumfang. Mehr über die ORCA AVA-Testversion erfahren.

Häufige Fragen zur GAEB-Schnittstelle – FAQ

GAEB steht für Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen. Der gleichnamige Standard regelt den elektronischen Austausch von Leistungsverzeichnissen und Abrechnungsdaten im Bauwesen.

Der erste Buchstabe steht für die GAEB-Version: D für GAEB 90, P für GAEB 2000 und X für das aktuelle GAEB DA XML. Inhaltlich kann dieselbe Phase in allen drei Formaten vorliegen.

Eine X83 ist eine Angebotsaufforderung (Ausschreibung) im aktuellen GAEB-DA-XML-Format – das LV ohne Preise, das der Auftraggeber an die Bieter versendet.

GAEB DA XML ist der aktuelle Standard (Stand: Juni 2026). Die Fassung 3.3 ist seit 2019 freigegeben. GAEB 90 und GAEB 2000 werden von vielen Programmen noch unterstützt, aber nicht mehr weiterentwickelt.

D83 ist die Angebotsaufforderung (Ausschreibung an die Bieter), D84 die Angebotsabgabe (bepreistes Angebot des Bieters) und D86 der Zuschlag bzw. die Auftragserteilung.

Am einfachsten mit einer AVA-Software, die GAEB-Dateien über die GAEB-Schnittstelle importiert und exportiert. Alternativ gibt es kostenfreie GAEB-Viewer; ältere D-Formate erfordern teils eine Konvertierung.

Eine zertifizierte Schnittstelle erfüllt nachweislich die offiziellen GAEB-Regelungen. Das stellt sicher, dass exportierte Dateien von allen Partnern korrekt gelesen und verarbeitet werden können.

GAEB regelt den Austausch von Leistungsverzeichnissen und Vergabedaten, XRechnung das strukturierte elektronische Rechnungsformat. GAEB begleitet also die Ausschreibung und Vergabe, XRechnung die spätere Rechnungsstellung.

GAEB dient dem Austausch von Leistungsverzeichnissen zwischen den am Bau Beteiligten. Datanorm ist ein Format für den Austausch von Artikel- und Preisdaten zwischen Herstellern, Großhandel und Handwerk.

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