
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Leistungsverzeichnis erstellen
Das Leistungsverzeichnis (LV) ist das Herzstück jeder Ausschreibung. Es beschreibt präzise, welche Bauleistungen in welcher Menge und Qualität zu erbringen sind – und bildet damit die Grundlage für Angebote, Vergabe und Abrechnung. Wer ein Leistungsverzeichnis erstellen will, legt damit den Grundstein für vergleichbare Angebote und ein streitarmes Projekt. Dieser Leitfaden zeigt Architekten, Fachplanern und Ingenieurbüros Schritt für Schritt, wie sie ein Leistungsverzeichnis erstellen – vom Aufbau über die Mengenermittlung bis zum GAEB-Export.
Was ist ein Leistungsverzeichnis?
Ein Leistungsverzeichnis (LV) ist eine strukturierte, gewerkeweise gegliederte Auflistung aller Leistungen, die für ein Bauvorhaben benötigt werden. Jede Leistung wird als Position beschrieben – mit eindeutiger Ordnungszahl, Menge, Einheit und Leistungstext. Bieter tragen anschließend ihre Einheitspreise ein, woraus sich der Angebotspreis ergibt.
Ein gutes LV erfüllt drei Anforderungen: Es ist vollständig (keine vergessenen Leistungen), eindeutig (keine Interpretationsspielräume) und produktneutral (keine Bevorzugung einzelner Hersteller, soweit nicht sachlich begründet).
Der Aufbau eines Leistungsverzeichnisses
Ein LV folgt einer klaren Hierarchie:
- Lose – größere, eigenständig vergebbare Einheiten (z. B. einzelne Gewerke bei losweiser Vergabe)
- Titel / Gruppen – thematische Gliederung innerhalb eines Gewerks
- Positionen – die einzelnen abrechenbaren Leistungen
Jede Position besteht typischerweise aus:
- Ordnungszahl (OZ): eindeutige Nummerierung zur Identifikation
- Menge und Einheit: z. B. 120 m², 35 Stück, 1 psch
- Kurztext: knappe Bezeichnung der Leistung
- Langtext: ausführliche, technisch eindeutige Beschreibung
Man unterscheidet zudem zwischen Normalpositionen, Bedarfs-/Eventualpositionen, Alternativpositionen und Pauschalpositionen. Bei Pauschalpositionen wird keine Menge multipliziert – ein häufiger Fehlerpunkt beim späteren Datenaustausch.
Ergänzt wird das LV durch Vorbemerkungen – allgemeine und gewerkespezifische Hinweise zu Baustelle, Ausführung und Vertragsbedingungen, die für alle Positionen eines Titels gelten. Sie stehen dem Positionstext voran und ersparen es, wiederkehrende Angaben in jeder einzelnen Position zu wiederholen. Saubere Vorbemerkungen tragen wesentlich dazu bei, dass Bieter die Leistung einheitlich verstehen und kalkulieren.
Schritt für Schritt zum fertigen LV
In sechs Schritten erstellen Sie ein vollständiges, normkonformes Leistungsverzeichnis – von der Menge bis zur fertigen GAEB-Datei:
Schritt 1: Mengen ermitteln
Grundlage jeder Position ist eine belastbare Menge. Idealerweise stammt sie aus der Planung – bei modellbasiertem Arbeiten lassen sich Mengen über die IFC-Schnittstelle direkt aus dem BIM-Modell übernehmen. Das spart Zeit und reduziert Übertragungsfehler.
Schritt 2: Gliederung nach Gewerken festlegen
Strukturieren Sie das LV nach Gewerken (z. B. Rohbau, Estrich, Fliesenarbeiten, Maler). Eine klare Gliederung erleichtert Bietern die Kalkulation und Ihnen später den Bietervergleich.
Schritt 3: Positionen anlegen
Legen Sie für jede Leistung eine Position mit Ordnungszahl, Menge und Einheit an. Achten Sie auf eine durchgängige, logische OZ-Systematik – sie bleibt über alle Projektphasen bis zur Abrechnung erhalten.
Schritt 4: Leistungstexte formulieren
Hier entscheidet sich die Qualität des LV. Texte müssen technisch eindeutig und vollständig sein. Bewährt haben sich standardisierte Ausschreibungstexte (etwa nach dem Standardleistungsbuch STLB-Bau oder von produktneutralen Textherstellern), die rechtssicher und normkonform formuliert sind. Über Portale wie AUSSCHREIBEN.DE lassen sich solche Texte komfortabel beziehen und direkt übernehmen.
Schritt 5: Prüfen und freigeben
Prüfen Sie das LV auf Vollständigkeit, Mengenplausibilität und widerspruchsfreie Texte, bevor es an die Bieter geht.
Schritt 6: Als GAEB-Datei ausgeben
Für die Ausschreibung wird das LV als GAEB-Datei (Phase 83, „Angebotsaufforderung“) an die Bieter übergeben – ohne Preise. Die Bieter spielen ihre Angebote als GAEB-Datei (Phase 84) zurück. Mehr dazu im Artikel GAEB-Schnittstelle verstehen: Datenaustausch im Bauwesen erklärt.
Typische Fehler beim LV-Erstellen
- Unklare Leistungstexte, die zu Nachträgen und Streit führen
- Mengen in Pauschalpositionen, die beim GAEB-Austausch zu falschen Summen führen
- Lückenhafte LVs, bei denen Leistungen fehlen und später teuer nachbeauftragt werden
- Produktbezogene Texte in öffentlichen Ausschreibungen, die gegen das Gebot der Produktneutralität verstoßen
- Inkonsistente Ordnungszahlen, die die spätere Abrechnung erschwere
Mit oder ohne AVA-Software?
Ein LV lässt sich grundsätzlich auch in Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation erstellen. In der Praxis stößt das aber schnell an Grenzen: Die normgerechte Struktur, die durchgängige OZ-Logik, der fehlerfreie GAEB-Export und die Verknüpfung zur späteren Vergabe und Abrechnung lassen sich manuell kaum sauber abbilden. Spätestens beim Datenaustausch mit den Bietern zeigt sich, ob das LV technisch sauber aufgebaut ist.
Spezialisierte AVA-Software übernimmt diese Struktur automatisch. In ORCA AVA etwa erstellen Sie gewerkeorientierte Leistungsverzeichnisse, übernehmen Standardtexte direkt aus angebundenen Quellen, importieren Mengen per IFC aus dem CAD-Modell und geben das LV mit wenigen Klicks normkonform als GAEB-Datei aus. Das LV bleibt dabei durchgängig mit Kostenmanagement, Vergabe und Abrechnung verbunden – ein entscheidender Vorteil, wenn Sie regelmäßig Leistungsverzeichnisse erstellen.
ORCA AVA lässt sich 6 Wochen kostenlos testen – ideal, um den LV-Workflow an einem echten Projekt auszuprobieren.
Häufige Fragen zum Leistungsverzeichnis erstellen – FAQ
Was gehört in ein Leistungsverzeichnis?
Eine gewerkeweise Gliederung in Titel und Positionen, jeweils mit Ordnungszahl, Menge, Einheit sowie Kurz- und Langtext. Ergänzend Vorbemerkungen und gegebenenfalls Bedarfs-, Alternativ- oder Pauschalpositionen.
Wie ist ein LV aufgebaut?
Hierarchisch: Lose, darunter Titel beziehungsweise Gruppen, darunter die einzelnen Positionen. Diese Struktur bleibt über Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung erhalten.
Was ist der Unterschied zwischen Kurztext und Langtext?
Der Kurztext bezeichnet die Leistung knapp (z. B. für Übersichten und Preisspiegel), der Langtext beschreibt sie technisch vollständig und rechtssicher.
Wie gebe ich ein LV an die Bieter weiter?
Als GAEB-Datei in der Austauschphase 83 (Angebotsaufforderung), also ohne Preise. Die Bieter senden ihr bepreistes Angebot als GAEB-Datei der Phase 84 zurück.
Was ist eine Ordnungszahl (OZ)?
Die Ordnungszahl ist die eindeutige Nummerierung einer Position innerhalb des LV. Sie identifiziert jede Leistung über alle Projektphasen hinweg und sollte durchgängig und logisch aufgebaut sein.
Was bedeutet produktneutrale Ausschreibung?
Produktneutral bedeutet, dass Leistungen ohne Bevorzugung bestimmter Hersteller oder Fabrikate beschrieben werden. Bei öffentlichen Ausschreibungen ist das grundsätzlich vorgeschrieben; Produktnennungen sind nur ausnahmsweise und sachlich begründet zulässig.
Was ist eine Bedarfs- bzw. Eventualposition?
Eine Bedarfsposition (Eventualposition) beschreibt eine Leistung, die nur bei Bedarf ausgeführt wird. Sie wird bepreist, aber zunächst nicht in die Angebotssumme eingerechnet.
Woher bekomme ich standardisierte Ausschreibungstexte?
Aus standardisierten Textquellen wie dem Standardleistungsbuch (STLB-Bau) oder von produktneutralen Textherstellern. Über Portale wie AUSSCHREIBEN.DE lassen sich solche Texte komfortabel beziehen und direkt ins LV übernehmen.
Was ist der Unterschied zwischen Leistungsverzeichnis und Leistungsprogramm?
Beim Leistungsverzeichnis beschreibt der Auftraggeber jede Einzelleistung detailliert. Beim Leistungsprogramm (funktionale Ausschreibung) gibt er nur das Ziel vor, und der Bieter entwickelt den Lösungsweg selbst.
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